WARUM DIESE MASTERCLASS?
Ohne Mikrochips geht in modernen Produkten kaum noch etwas. Gleichzeitig konzentrieren sich zentrale Teile der Wertschöpfung auf wenige Hersteller, Regionen und Technologien. Für Einkaufsorganisationen entsteht daraus eine anspruchsvolle Aufgabe: Versorgungssicherheit, Kosten, Verfügbarkeit und technologische Abhängigkeiten müssen ineinem volatilen Marktumfeld neu ausbalanciert werden.
Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wie KI-gestütztem Forecasting und zunehmender Volatilität in den Lieferketten vermittelt die Masterclass ein Verständnis globaler Halbleiter-Lieferketten und zeigt, wie Nachfrage, Risiko und Marktmechaniken zusammenwirken. Ein besonderer Fokusliegt darauf, warum Forecasts in der Praxis an Grenzen stoßen und wie Einkaufsorganisationen Marktsignale besser interpretieren können.
Die Masterclass „Einkauf von Mikrochips“ sollten Sie nicht verpassen, wenn Sie:
- in Ihrem Geschäft auf Halbleiter angewiesen sind
- von den Schwankungen im globalen Mikrochip-Markt betroffen sind
- Markttrends und Nachfragesignale bei Halbleitern besser interpretieren wollen
- Risiken und Unwägbarkeiten bei Ihrem Mikrochip-Einkauf verkleinern möchten
ZIELGRUPPE
Diese Masterclass richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus den Bereichen
- Einkauf von Halbleitern/Elektronik (elektronische Bauelemente, Bauteile, Komponenten)
- Materialgruppenmanagement
- Strategischer Einkauf
- Globaler Einkauf
- Supply Management
FACHLICHE LEITUNG
Christoph Gnadl ist ein erfahrener Supply-Chain- und Einkaufsmanager mit rund 20 Jahren Erfahrung in derHalbleiterindustrie. Zuletzt verantwortete er als Vice President Purchasing & Commodity Marketing bei EBV Elektronik (Avnet Group) ein globales Einkaufsvolumen im Milliardenbereich. Sein Schwerpunkt liegt auf der Gestaltung und Steuerung komplexer Lieferketten, insbesondere im Spannungsfeld zwischen Nachfrage, Risiko und Verfügbarkeit. In seiner Arbeit beschäftigt er sich intensiv mit der Frage, wie Nachfrage in Supply Chains tatsächlich sichtbar wird und welche Auswirkungen dies auf Forecasting, Kapazitätsplanung und Marktzyklen hat.
VERANSTALTUNGSINHALTE
Programm Tag 1
Warum Halbleiter keine normale Warengruppe sind
- Globale Wertschöpfungsketten
- Design, Foundry, OSAT
- Distribution, OEM
- Spezialisierung und Abhängigkeiten
- Lange Investitions- und Kapazitätszyklen
Obsolescence Management
- Definition
- Einflussfaktoren
- IEC 62402
- Reaktiv/proaktiv/präventiv
- Tool-Praxis
Udo Brestrich, Director Global Purchasing, HIMA Group
Regionale Abhängigkeiten und geopolitische Risiken
- Taiwan als zentraler Engpass
- Chinas Rolle in der Halbleiterindustrie
- USA, Exportkontrollen und neue Unsicherheiten
- Chancen und Grenzen des European Chips Act
Nachfrageentwicklung und aktuelle Markttrends
- KI als Nachfrage- und Investitionstreiber
- Unterschiede zwischen Datacenter, Automotive und Industrial
- Auswirkungen auf Verfügbarkeit und Kapazitätsplanung
Klassische Ansätze zur Risikominimierung
- Dual/Second Sourcing
- Sicherheitsbestände
- Lieferantenmanagement
- Grenzen klassischer Risikomanagement-Ansätze
Mikrochips als Risikokategorie
- Herausforderungen bei langen OEM-Produktlebenszyklen und Obsoleszenz-Risiken bei Mikrochips
- Einführung einer Risikoklassifizierung für die Identifizierung von kritischen Mikrochips
- Aufbau einer resilienten Einkaufsstrategie von Mikrochips
- Lessons Learned aus der praktischen Umsetzung
Daniel Nethe,Head of Procurement, HUBER+SUHNER BKtel GmbH
Von globalem Sourcing zu Bedarfstransparenz
- Warum stabile Lieferketten nicht nur durch alternative Bezugsquellen entstehen
- Bedeutung von Nachfrage- und Planungstransparenz
- Brücke zu Forecasting und Nachfragesichtbarkeit (Demand Visibility)
Diskussion und Zusammenfassung
Leitfrage: Warum bleiben Halbleiter-Lieferketten trotz klassischer Maßnahmen anfällig für Engpässe, Überbestände und Übersteuerungen?
Programm Tag 1
Nachfrage, Forecasting und die Realität der Supply Chain
- Ziel: Verstehen, wie Nachfrage sichtbar wird,
warum Forecasting an Grenzen stößt und welche Konsequenzen sich daraus
für den Einkauf ergeben
Recap Tag 1 und Einstieg in Tag 2
- Verbindung Makro → Mikro; zentrale Fragestellung des Tages
Grenzen klassischer Forecast- und KI-Ansätze
- Forecasting in komplexen Lieferketten
- Demand Sensing: Warum KI bestehende Strukturprobleme nicht automatisch löst
- Ursachen von Engpässen, Überbeständen und volatilen Zyklen
Wie Nachfrage tatsächlich sichtbar wird
- Frühe Bedarfstrends
- Forecasts, Bestellungen
- Nachfragesichtbarkeit (Demand Visibility)
- Signalqualität
Spannungsfeld in der Supply Chain
- Kunden wollen Flexibilität
- Hersteller brauchen Planungssicherheit
- Distributoren tragen Working-Capital-Risiko
- Auswirkungen auf Verfügbarkeit und Planung
Umsetzung Mikrochip-Einkaufsstrategie
- Aufbau einer praxisorientierten Mikrochip-Einkaufsstrategie im Unternehmensalltag
- Kritische Bauteile, Lieferantenrisiken und Verfügbarkeiten systematisch transparent machen
- Schnittstellen zwischen Einkauf, Entwicklung, Qualität und Supply Chain wirksam verzahnen
- Lessons Learned aus der Umsetzung: Erfolgsfaktoren, Stolpersteine und konkrete Handlungsempfehlungen
Robin Lippmann,Leiter Materialwirtschaft, ME MOBIL ELEKTRONIK GMBH
Typische Fehlinterpretationen und praktische Ableitungen
- Forecast vs. tatsächliche Nachfrage
- Orderbücher als verzerrte Signale
- Preisentwicklungen als unsicherer Indikator
- Frühindikatoren und bessere Einordnung von Marktsignalen
Ergebnis und Abschlussworte
Die Teilnehmer gewinnen ein realistisches Verständnis dafür,wie Nachfrage entsteht, sichtbar wird und in der Supply Chain interpretiert werden kann.